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Krise und das böse WWW

Dieser Eintrag stammt von admin Am 15.11.2008 @ 17:26 In Web-News | Keine Kommentare

Gibt man auf [1] Google die Begriffe “Finanzkrise” und “Schuld” ein, wirft die Suchmaschine in 0,08 Sekunden eine Dreiviertelmillion Einträge aus. Die Liste der “potenziellen Sündenböcke” reicht dabei von den Banken über die Politik, die Gier, den USA, dem Testosteron-Hormon bis hin zum Internet.

Die Suche nach den Ursachen für die Finanzkrise rückt somit nun auch das Internet in den Fokus der Verdächtigen. Schließlich habe erst das World Wide Web die Erteilung milliardenschwerer Order in Millisekunden ermöglicht. Warum das so ist, lässt sich leicht erklären: Kommunikationstechnologie, so heißt das “Zauberwort”.

Heute können über das Internet tausende Aktienpakete im Wert von zigmillionen Euro binnen kürzester Zeit den Besitzer wechseln. Die notwendige Zeit, die zwischen Erteilung einer Order und wieder zurück zum Kunden vergeht, beträgt weniger als zehn Millisekunden.

Mithilfe immer raffinierterer Trading-Systeme können Kapitalflüsse in Milliardenhöhe um den Globus geschickt werden. Von jedem Ort der Welt aus können heute per Laptop oder Smartphone Order platziert werden. Im Hintergrund arbeiten komplexe Computerprogramme, die immer kompliziertere Finanzprodukte wie Derivate, Subprime-Hypothekenfonds und “asset-backed securities” automatisiert be- und verarbeiten. Nach Auffassung vieler Kritiker haben die Finanztrader schon längst vor der Komplexität der Systeme kapituliert und verstehen gar nicht mehr, was ihre Computer im Einzelnen machten.

Die Kritik an den rechnergesteuerten Investments ist nicht neu. Sie wurde schon vor zwanzig Jahren laut, als die Börsen am 19. Oktober 1987 weltweit um bis zu 45 Prozent einbrachen. Auch damals wurden Tradingprogramme, die große Mengen von Kauf- oder Verkaufsordern gleichzeitig bewältigen konnten, als die Krisenursache eingeordnet.

Jedoch die Entscheidung darüber, ob kaum durchschaubare Finanzprodukte auf die Anleger losgelassen werden, liegt dabei immer noch beim Menschen selbst.

Eine Konsequenz aus der aktuellen Finanzkrise sollte sein, Online-Systeme zu entwickeln und einzusetzen, die in der Lage sind, selbst komplexeste Finanzinformationen so darzustellen, dass sie verständlich sind.

Sollte das gelingen, dann wird das WWW und die Informationstechnologie die Finanzmärkte sicherer, stabiler und überschaubarer machen.

Quelle: [2] derStandard.at

Siehe auch: [3] www.cole.de


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